Europäische Union – Warum wir EU-Bürger eine echte europäische Demokratie erkämpfen müssen!

Von überraschenden Weggabelungen, flinken Dribbelkünstlern und langsamen Logouts: Warum wir EU-Bürger eine echte europäische Demokratie erkämpfen müssen!

Jeder kennt sie, diese „Hätte ich doch“ Momente. Hätte ich doch dieses Haus gekauft! Hätte ich doch diese Frau geheiratet! Hätte ich doch diesen Job angenommen! Hätte ich doch auf Vater gehört! In jedem Leben gibt es solche Momente scheinbar oder tatsächlich verpasster Chancen. Und jeder geht anders damit um: Der eine zuckt nur mit den Achseln: Schade – aber vorbei! Ein anderer quält sich immer wieder bei dem Gedanken, dass er diesen einen Weg verpasst hat, der ihm doch ein ganz anderes Leben beschert hätte, aufregender, bunter, glücklicher. So etwas kann zermürben.

Hier und heute beginnen wir mit unserem We are Europe! Blog. Und hinter unseren Beiträgen wird immer wieder diese eine Frage stehen: Welche Chancen sollte Europa in den nächsten Jahren nicht verpassen? An welcher Weggabelung werden wir bald stehen, und welchen Weg sollten wir dann nehmen? Und vor allem: Wie mutig werden wir sein müssen? Im privaten wie im politischen Leben ist es überaus nützlich zu begreifen, wie plötzlich solche Momente kommen können, ähnlich wie in einem Computerspiel, wo man mit einem Motorrad über eine belebte Straße fährt und blitzschnell Hindernissen ausweichen muss. Denn hellwach zu sein hilft dabei, einen typischen Fehler zu vermeiden: Im entscheidenden Augenblick, mit dem man leider oft nicht gerechnet hat, einfach weiter geradeaus zu fahren, am Gewohnten und Vertrauten festzuhalten, statt mutig in einen anderen, aber vielleicht besseren, kürzeren oder reizvolleren Weg abzubiegen.

Europäische Union

Für die Europäische Union wird es in der nächsten Zeit mehrere solcher decision days geben. Denn die EU in ihrer jetzigen Form – eine Gemeinschaft von 28 immer noch sehr souveränen Nationalstaaten – hat das Ende ihrer Möglichkeiten erreicht. Ob aus diesen 28 hochtalentierten Dribbelkünstlern und Individualisten eine echte Mannschaft mit Teamgeist werden soll oder nicht, ob aus einer Vertragsgemeinschaft von Nationalstaaten eine föderale Union werden soll oder nicht, ist offen, muss aber entschieden werden – bald. Der EU hier und dort immer noch eine Zusatzaufgabe zu geben – hier ein bisschen Verteidigung, dort ein kleiner Währungsfonds -, sich dabei aber vor dieser Grundfrage zu drücken, wäre feige. Der Preis wäre der langsame Logout Europas.

Aber wer soll diese Jahrhundert-Entscheidung treffen? Die Regierungen der Mitgliedstaaten etwa? Auf gar keinen Fall, sie sind kraft Funktion und Wahlauftrag Hüter ihrer Nationen, sie sind parteiisch. Nur der Souverän selbst, die europäische Bevölkerung, kann Entscheidungen von solcher Tragweite treffen – aber nicht etwa in 28 getrennten Räumen, jeder für sich, sondern auf einer gemeinsamen Plattform, die endlich, endlich den transnationalen politischen Dialog ermöglicht! Und damit sind wir beim Schwerpunktthema von We are Europe! angelangt, das in diesem Blog in verschiedenen Variationen immer wieder eine Rolle spielen wird: Der Weiterentwicklung der Europäischen Union zu einer voll ausgebauten, transnationalen Demokratie. Sie – und nur sie! – kann der Grundstein eines Europas der Bürger sein, das wir erträumen, erstreben und erkämpfen wollen. Auch wir kennen nicht alle Antworten auf so viele Fragen, die sich in Europa tagtäglich stellen: Migration, Währung, Energie, Steuern, Verteidigung, Arbeitslosigkeit und vieles mehr. Aber wir wissen, dass alles, absolut alles jetzt dafür spricht, dass die Bürgerinnen und Bürger Europas über Grenzen hinweg in uns alle betreffenden fundamentalen Fragen gemeinsam demokratisch entscheiden. Niemand, der nicht die Demokratie selbst für ein Übel enthält, kann das falsch finden. Wir wissen heute nicht, wie diese Entscheidungen ausfallen werden. Aber wir sollten verstehen: Niemand sonst wird für diese echte, wahrhaft europäische Demokratie kämpfen, wenn wir es nicht selbst tun. Das ist der Anspruch, den wir an uns selbst erheben müssen. Denn wir wollen unseren Kindern nicht eines Tages sagen: Hätten wir doch damals nur …!

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